Samstag, 4. Februar 2017

Schule Wo1

Uff! Die erste Woche ist geschafft!
Grundsätzliche hat das schon mal riesig Spass gemacht. Die Kids sind auch hier einfach Kids ;-).
Im Vorfeld wurde gesagt, dass sie "lebhaft" (durch die Blume hiess das eher schlecht erzogen und ziemlich wild) und unselbständig (Nanny, Hausmädchen etc. regeln sonst alles) seien.
Sprechen tun sie tatsächlich sehr gerne, und wenn sie dürfen am liebsten immer, aber wenn ich da an meine zwei Lieblings-Chiccas der letzten Klasse in Solothurn denke, war das nicht wirklich anders.
Und auch meinen Sek B SuS in der Schweiz musste ich regelmässig wieder beibringe, wie man eine Agenda führt, Hausaufgaben plant etc., obwohl sie das schon seit der 1. Klasse hören. Also auch nicht wirklich neu für mich.

Wieder mal unsere Aussicht


Einen Unterschied punkto Sprechen habe ich jedoch tatsächlich schon festgestellt: in der Schweiz hatte ich Kids, welche einen super Vortrag geschrieben haben,  sich dann aber schrecklich zierten, den auch vorzutragen; hier kann der schriftliche Teil noch so schlecht sein, vortragen wollen alle super gerne, und das können sie wirklich auch gut.

Mediothek der Schule (inkl. TagiMagi, Folio etc.)


Liebe Schützi-LPs, könnt ihr euch an die Sitzung erinnern, wo diskutiert wurde, wie Einträge im LehrerOffice formuliert sein müssen, und ob man das bei Elterngesprächen den Eltern zeigen darf?
Wenn ich hier einen Eintrag eingebe (Verspätungen, Verhalten, Disziplin, Material vergessen etc.), erhalten die Eltern umgehend eine SMS.............
Auch sonst sind die Eltern hier deutlich aktiver (wäre ich wohl auch, wenn ich ein mittleres Vermögen für Schulgeld bezahlen würde). Elterngespräche oder Anrufe sind hier daily business. Jede LP muss zu Beginn des Schuljahres der Rezeptionistin drei Zeitfenster pro Woche angeben, während derer sie jeweils für Gespräche/Anrufe zur Verfügung steht (egal, ob morgens um 9 Uhr oder nachmittags um 14 Uhr. Niemand erwartet, dass ich nach 15.35 noch zur Verfügung stehe).
Da die meisten Kids gefahren werden, wimmelt es  ab 7 Uhr und ab 11.30 Uhr von Eltern im Schulhaus. Auch da sind kurze Gespräche üblich.
Den Schulbus nutzen wenige und zu Fuss oder mit dem Velo ist auch eher selten, dann eher mit Chauffeur und Bodyguard.

gut gebastelt ist halb gewonnen/gekühlt (im Stadtzentrum)


Ansonsten wurstle ich fleissig weiter, nach wie vor ohne Schul-Laptop, dafür ist inzwischen klar, wann ich in welchem Zimmer unterrichte, ich habe einen Extranet-Zugang erhalten (nützt nur leider nicht soooo viel, da von meinen 11 Klassen/Fächer erst 2 aufgeschaltet sind), ich kann tatsächlich kopieren (naja, das ist auch ähnlich wie in der Schweiz, irgendeinen Papierstau, Toner-Wechsel oder sonstiges Wehwehchen haben auch braslianische Kopierer), ich habe schon fast den Durchblick, was ich in diesem Jahr in welchem Fach erreichen muss und wie weit sie letztes Jahr gekommen sind.
Somit alles gut ;-)

Fäbu geniesst seine Tage, von Langweile und Einsamkeit keine Spur. Mit Haushalt, Sport, Portugiesisch lernen, Lebensmittel/Rezepte aufspüren etc. ist er rundum beschäftigt.
Und ich finde es fantastisch, dass ich abends nach Hause kommen kann, und die Wohnung ist geputzt, die Wäsche gewaschen, der Kühlschrank gefüllt, auf dem Tisch steht leckeres Essen - paradiesisch!

so sah das die letzten zwei Donnerstage bei uns zum Znacht aus :-)





Sonntag, 29. Januar 2017

Schule Wo 0

Jä guet, alles hat ein Ende.... am Montag 23.1. durfte ich - nach drei Monaten Pause - wieder arbeiten gehen.
Alle Lehrpersonen der Schule wurden um 8 Uhr zum Frühstück erwartet, anschliessend ging es los mit einer offiziellen Begrüssung zum neuen Schuljahr und den ersten Sitzungen.
Montag bis Freitag war für mich zugepflastert mit Sitzungen, Weiterbildungen, Team-Meetings, Besprechungen etc.
Glücklicherweise war am Mittwoch bereits ein Feiertag, so konnte ich tatsächlich ein bisschen meinen Unterricht vorbereiten. Da ich aber noch nicht von allen Fächern wusste, welches Lehrmittel, welcher Inhalt etc., war auch dieser Tag nur begrenzt effizient. Und da ich auch sonst noch nicht komplett ausgerüstet bin (Schul-Laptop, Extranet Zugang, Kopierer Code, Schulzimmer noch nicht zugeteilt....) wird der erste Schultag mit den Kids am Montag wohl etwas improvisiert gestaltet werden, aber das ist o.k. S'chunnt scho guet.



Was noch? Einiges ist für mich eher ungewohnt/neu/erstaunlich/erfreulich/weniger erfreulich:

- wir haben vom 1. Kindergarten bis zur Matur  pro Jahrgang zwei Klassen à durchschnittlich 25 Kids, d.h. Total 750 Kids im Alter von 4 bis 19 unter einem Dach. Aktuell können keine neuen Kids aufgenommen werden, wir sind komplett (751 SuS).

- In den 50 Jahren seit der Gründung wuchs die SchülerInnen-Zahl von 53 auf 750, entsprechend musste das Gebäude mitwachsen. Auf der Luftaufnahme sieht man gut, wie immer wieder einzelne Trakte hinzugekommen sind, erweitert oder aufgestockt wurden. Für Neulinge ein herrliches Labyrinth.



- Sämtlicher Aufwand, welcher nicht auf dem Stundenplan vermerkt ist, wird zusätzlich vergütet (Elternabende, Elterngespräche, Förderunterricht (a.k.a. Nachsitzen), Nachprüfungen, Theateraufführungen etc., Lager, Exkursionen, TeamTeaching Absprechungen, Basar-Samstag etc.)

- Das Bildungsministerium verlangt, dass nach der ersten Unterrichtswoche für jedes Fach für das erste Semster schriftlich vorliegt:
Eine Prüfungsübersicht mit Datum, Lernziele, Art der Prüfung und Gewichtung.  Diese Übersicht wird auch den SuS und Eltern abgegeben.
Eine Semesterplanung (Lernziele, Lernmethoden, Didaktische Mittel....)

- Jede Lehrperson ist dafür verantwortlich, dass ihr Stellvertretungs-Ordner im Lehrerzimmer jederzeit für eine allfällige Notfall-Vertretung mit genügend und aktuellem Material für sämtliche Fächer gefüllt ist. (Da ich während meiner ganzen Karriere noch keinen Unterrichtstag verpasst habe, hält sich meine Motivation den Ordner zu bestücken noch etwas in Grenzen, auch wenn ich das grundsätzlich eine gute Idee finde).

- Pro Jahrgang gibt es zwei Stammklassen welche für die Fächer auf Deutsch in vier Niveaugruppen aufgeteilt werden. Interessanterweise gibt es nicht zwei Klassenlehrpersonen für die Stammklassen, sondern vier für die Deutschgruppen. 
Das kann ich mir noch nicht wirklich vorstellen. Auch weiss ich nicht so recht, was die Kollegin von der 6D1 während ihrer Klassenlektion mit ihrem einen (1!!) Schüler macht; Klassenrat ist wohl eher schwierig ;-). 

- Irgendwie ist alles ähnlich wie in der Schweiz aber dann doch wieder ganz anders.

Ich bin gespannt! 

Wer mehr über die Schule erfahren möchte: schule